Auf 21 Tafeln zeigt die Ausstellung Hintergründe und Informationen zu den schrecklichen Vorgängen ab 1939: Heil- und Pflegeanstalten im vereinigten Regierungsbezirk Ober- und Mittelfranken wurden aufgelöst, die Patienten auf die verbleibenden Einrichtungen in Kutzenberg, Erlangen und Ansbach verteilt. Von dort aus wurden im Rahmen der sogenannten T4-Aktion die Menschen busweise in Tötungsanstalten deportiert. Insgesamt wurden so zwischen September 1940 und Juni 1941 mehr als 400 Frauen und Männer aus Kutzenberg systematisch ermordet. Die meisten von ihnen wurden in Schloss Hartheim bei Linz zu Tode gebracht, wo mit einer Gedenktafel an ihr Schicksal erinnert wird. Proteste von Angehörigen und Kirchen stoppten im August 1941 das systematische Töten, doch viele Patienten starben weiterhin durch Mangelversorgung, zynisch „Hungerkost“ genannt.
Im Mittelpunkt steht die Rolle der Heil- und Pflegeanstalten im Rahmen der „T4-Aktion“, insbesondere mit den Vorgängen in Kutzenberg. Dabei ist ein zweifacher Zugang zum Thema möglich – wie auch die jüdischen Patientinnen und Patienten doppelt stigmatisiert waren: Einerseits aus „medizinischer“ Sicht, da bei den Patienten eine psychische Erkrankung diagnostiziert war, die nach nationalsozialistischer Ideologie eine Gefahr für die Volksgesundheit darstellte. Andererseits aus rassenideologischer Sicht in Hinblick auf vermeintlich minderwertige „Rassen“, was zur Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung führte. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Biographien der zehn Opfer mit Namen und weiteren Informationen, meist aus ihren Patientenakten. Einige Opfer aus Oberfranken, deren Schicksal besser erforscht werden konnte, werden exemplarisch ausführlicher dargestellt. Historische Fotografien, besonders aus der Anfangszeit der Heil- und Pflegeanstalt Kutzenberg, geben Einblick in den Anstaltsalltag, ergänzt von Fotografien weiterer relevanter Orte und Abbildungen historischer Dokumente. Die Ausstellung „Doppelt stigmatisiert. Jüdische Opfer der NS-Krankenmorde aus Kutzenberg“ ist bis zum 4. September zu den Öffnungszeiten des Staatsarchivs Coburg in der Herrngasse 11 zu sehen. Die mobile Ausstellung machte zuvor bereits Station in Kutzenberg, Bamberg, Lichtenfels, Kronach und Kulmbach.
Sonderausstellung im Staatsarchiv Coburg